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Ich muss mich nicht rechtfertigen.

  • 22. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Es war ein harmloser Satz. So einer, der nebenbei fällt und trotzdem trifft. „Ach so, deswegen willst du das jetzt anders machen?“

Ich habe gelächelt. Genickt. Und sofort begonnen zu erklären. Warum jetzt. Warum so. Warum das sinnvoll ist. Warum ich mir das gut überlegt habe.

Während ich sprach, merkte ich es. Mein Körper wurde eng, der Atem flach. Nicht, weil ich unsicher war. Sondern weil ich mich wieder einmal in etwas verstrickte, das ich gut kenne: sich nicht mehr erklären wollen – und es trotzdem tun. *verflixt

Dieser Moment ist leise. Kein Knall. Keine große Szene. Nur die Erkenntnis: Ich habe schon wieder zu viel gesagt.


Rechtfertigung als erlernte Sicherheit

Rechtfertigung ist kein Charakterfehler. Sie ist erlernte Sicherheit oder Vorsicht.

Viele von uns haben früh verstanden: Wenn ich mich gut erkläre, werde ich vielleicht nicht abgelehnt. Wenn ich nachvollziehbar bin, bleibe ich sicher.

Dieses "Sichersein" hatte jedoch selten mit echter Sicherheit zu tun. Es war schon in der Kindheit erlernte Anpassung, um Spannungen zu vermeiden, Kritik zuvorzukommen oder Beziehung nicht zu gefährden. Aus dieser Daueranspannung entsteht sie – die Angst vor Ablehnung.

Und mit ihr ein Automatismus: rechtfertigen vor dem Chef oder dem Partner, Kontexte liefern, Beweise sammeln, Argumente stapeln.


Das Problem ist nicht das Erklären an sich. Das Problem ist der Preis.

Denn ständiges Rechtfertigen kostet Energie. Es hält dich in einer inneren Alarmbereitschaft.

Und irgendwann landet man genau dort, wo viele Frauen landen: im Erschöpfungssyndrom.

Nicht, weil sie zu wenig können. Sondern weil sie zu viel kompensieren.


Haltung als Prinzip und innerer Schutz

Der Wendepunkt kommt nicht dramatisch.

Er kommt nüchtern.

Du merkst:

Ich erkläre mich nicht, weil es nötig ist.

Ich erkläre mich, um mich zu schützen.

Und genau hier liegt die stille Entscheidung.

Haltung bedeutet nicht Härte.

Haltung bedeutet: Ich weiß, warum ich etwas tue – und das reicht mir.


Klare Haltung ist mentale Selbstverteidigung.

Sie ist kein Angriff.

Sie ist ein innerer Schutzraum.

Du hörst auf, dich zu verbiegen.

Du hörst auf, Zustimmung zu verhandeln.

Und plötzlich wird es ruhig.


Nicht bequem.

Aber klar.


Der Stoiker Epiktet brachte es nüchtern auf den Punkt:

„Wenn du frei sein willst, gewöhne dich daran, nicht jedem zu gefallen.“

Einladung mentale Selbstverteidigung zu lernen

Wenn du merkst, dass du dich ständig erklärst, ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Hinweis auf ein altes Muster. Das lässt sich auflösen und in gesundes Selbstbewusstsein verwandeln.


Ich habe zur mentalen Selbstverteidigung weitere Artikel geschrieben, wie diese:


Kein Motivationsgeplänkel. Kein Dramagetöse. Sondern ein praktischer Einstieg, wie du aufhörst, dich zu rechtfertigen und beginnst, aus innerer Autorität zu handeln.


Sich nicht mehr erklären und innerlich ruhig bleiben

Du musst dich nicht mehr erklären. Nicht heute. Nicht grundsätzlich.

Manche Entscheidungen brauchen keine Bühne. Nur Haltung.


Und wenn du spürst, dass genau das gerade dein Thema ist, dann ist mein monatlicher Tea Talk vielleicht ein guter nächster Schritt. Ein ruhiges Gespräch unter Frauen, die dasselbe Problem haben. Ohne Rechtfertigung. Mit Blick auf eine Lösung, die trägt.



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