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Ich will nichts mehr leisten und einfach nichts tun

  • 30. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Heute ist es passiert. Ich stand in der Küche, wollte mir einen Cappuccino einschenken – und konnte plötzlich nicht mehr. Meine Hand zitterte. Aber nicht vor Kälte. Vor Überforderung. Mein Körper sagte leise, aber unmissverständlich: „Bis hierhin. Mehr geht nicht.“


Vielleicht kennst du diesen Moment. Er kommt nicht mit Sirenen. Er kommt mit Müdigkeit, die nicht weggeschlafen werden kann. Mit dem Gefühl, dass selbst Kleinigkeiten zu viel sind. Ich habe also gegoogelt: was tun bei Erschöpfung. Und bekomme Tipps wie Atemtechniken, Journaling, Morgenroutinen, kalte Duschen. Am besten alles gleichzeitig.


Meine Erkenntnis für heute: das Problem ist nicht, dass ich nichts tue. Das Problem ist, dass ich nie aufhöre.

Nicht einmal innerlich.


Schau mal: du funktionierst. Du organisierst. Du hältst durch. Du bist müde – und machst weiter. Weil Aufgeben keine Option ist. Weil du gelernt hast, dass dein Wert in deiner Leistung liegt. Und weil du irgendwann vergessen hast, wie sich dein Körper anfühlt, wenn er nicht benutzt wird wie ein Werkzeug.

Dies folgenden Gedanken sind für dich, wenn du nicht noch eine Methode willst, sondern dich selbst zurück.


Selbstoptimierungswahnsinn und Erschöpfung

Wir leben in Zeiten des Selbstoptimierungswahnsinns. Selbst Pausen müssen heute effizient sein. Erholung soll messbar, produktiv und bitte instagrammable sein. „Richtig entspannen“ wird zur nächsten Aufgabe auf deiner To-do-Liste.

Und du machst mit. Nicht, weil du oberflächlich bist. Sondern weil du so sozialisiert wurdest.

Du hast gelernt: Erst leisten, dann fühlen. Erst funktionieren, dann ausruhen. Erst alles geben, dann irgendwann… leben.


Das Gemeine ist: Dein Körper spielt dieses Spiel nicht ewig mit. Irgendwann fängt er an, sich zu melden. Mit Erschöpfung. Mit innerer Leere. Mit dem Gefühl, dass du dich selbst verloren hast.


Das ist kein persönliches Versagen. Das ist ein Systemproblem.


Du bist nicht erschöpft, weil du zu schwach bist. Du bist erschöpft, weil du zu lange stark warst.

Burnout ist keine Modekrankheit. Es ist die logische Konsequenz einer Kultur, die Menschen wie Maschinen behandelt. Und das Wort Burnout-Prävention klingt oft so, als müsstest du nur früh genug die richtige Technik anwenden, um weiter funktionieren zu können.


Aber vielleicht geht es nicht darum, länger durchzuhalten.

Vielleicht geht es darum, früher auszusteigen!?


Der rebellische Akt: im Nichtstun ist alles getan

Hier kommt der unpopuläre Teil: Nichtstun ist kein Luxus. Es ist ein Akt von Selbstachtung.

In einer Welt, die dich permanent antreibt, ist Stillwerden revolutionär. Hinspüren statt Weitermachen ist Widerstand. Und genau hier beginnt das, was ich „Widerstand in Würde“ nenne.


Du musst dich nicht neu erfinden. Du sollst dich erinnern.

An deinen Atem. An dein Gewicht im Stuhl. An das Gefühl deiner Füße auf dem Boden.

„Im Nichtstun ist alles getan“ klingt wie ein Kalenderspruch. Aber er ist eine Zumutung für jedes System, das dich nur als Ressource sieht.

Du bist kein Projekt.

Du bist ein Körper mit Bedürfnissen.

Und Fühlen ist keine Schwäche. Es ist Orientierung.

Der Wendepunkt kommt, wenn du begreifst: Du musst nicht geheilt werden. Du musst dich wieder bewohnen. Nicht mit Drama. Sondern mit Erlaubnis.


Zurück in den Körper kommen – eine Minute reicht

Diese Übung ist nichts Besonderes. Und genau deshalb wirkt sie. Du kannst sie überall machen: im Auto, im Büro, im Bad, auf der Parkbank.

Setz dich bequem hin oder bleib stehen. Schließ die Augen, wenn es geht.

Sag dir innerlich, ganz leise:


Meine Arme sind schwer.

Meine Beine sind schwer.

Mein Atem fließt ruhig.

Ich bin hier.


Sag es nicht wie eine Affirmation. Sag es wie eine Feststellung.

Nicht erzwingen. Nicht verbessern. Nur beobachten.

Wenn Gedanken kommen, lass sie. Wenn Unruhe da ist, auch.

Das Ziel ist nicht Entspannung.

Das Ziel ist Kontakt mit dir selbst.


Und ja: Das fühlt sich am Anfang sinnlos an. Unproduktiv. Unwirksam.

Genau deshalb ist es wirksam.

Dein Nervensystem lernt: Ich darf da sein, ohne etwas zu leisten.

Mach diese Übung nicht, um besser zu werden. Mach sie, um wieder du zu sein.


Eine leise Rückkehr zu dir

Vielleicht willst du gar nichts mehr leisten. Vielleicht willst du einfach wieder fühlen.

Das ist kein Rückschritt.

Das ist eine Heimkehr.

Du musst nicht kündigen, auswandern oder dein Leben umkrempeln.

Manchmal reicht es, den Druck rauszunehmen. Manchmal reicht es, sich selbst wieder zuzuhören.

Wenn du müde bist, dann nicht, weil du zu wenig tust. Sondern weil du zu lange gegen dich gearbeitet hast.

Und falls du das Gefühl hast, dass du diesen Weg nicht allein gehen willst: In meinem Newsletter für Rebellinnen schreibe ich über genau diese leisen Ausstiege, inneren Wendepunkte und darüber, wie du wieder bei dir ankommst – ohne Drama, ohne Optimierungszwang, ohne Esoterik. Wenn du magst, komm dazu: unten auf der Seite kannst du dich anmelden.


P.S. Ich habe mich ins Bett gelegt. Offenbar habe ich mir einen Virus eingefangen und mein Körper hat mal schnell das Stopp-Schild rausgeholt.

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