Erschöpfung und die Verantwortung für die eigenen Grenzen
- 3. Feb.
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Viele Frauen wachen morgens müde auf, noch bevor der Tag überhaupt begonnen hat. Nicht diese angenehme Müdigkeit nach einem langen Spaziergang oder einer kurzen Nacht – sondern diese tiefe, schwere Erschöpfung, die sich wie ein grauer Schleier über alles legt. Der Kaffee oder Tee hilft kaum. Das Wochenende auch nicht wirklich. Und obwohl im Außen oft alles „läuft“, fühlt sich innen etwas dauerhaft leer an.
Was dabei häufig übersehen wird: Diese Erschöpfung hat weniger mit zu vielen Aufgaben zu tun als mit zu wenig innerer Führung. Sie entsteht dort, wo wir uns selbst immer wieder übergehen. Wo wir Ja sagen, obwohl alles in uns Nein ruft. Wo wir still bleiben, obwohl etwas klar ausgesprochen werden müsste. Wo wir Verantwortung für alles und jeden übernehmen – nur nicht konsequent für uns selbst.
Eigene Grenzen überschreiten – der stille Weg in die Erschöpfung
Viele Frauen tragen Verantwortung wie eine zweite Haut. Sie halten zusammen, was sonst auseinanderfallen würde. Gerade in ihrer Famile, aber auch im Job denken sie voraus, fangen auf, springen ein. Das wirkt stark. Ist es auch – bis es zur Dauerhaltung wird. Denn wenn Verantwortung nur nach außen fließt, entsteht innen ein Vakuum. Und genau dort wächst die Erschöpfung.
Wir überschreiten unsere eigenen Grenzen meist nicht mit einem großen Knall. Es passiert leise. In den kleinen Momenten des Alltags. In der Überstunde, die man „noch schnell“ dranhängt. Im Gespräch, das man schluckt, um keinen Konflikt auszulösen. In der Einladung, die man annimmt, in der Hoffnung, dass sie nur kurz dauert. Dieses permanente Überschreiten der eigenen Grenzen fühlt sich zunächst nach Anpassung an und später nach innerer Leere.
Verantwortung für sich selbst als Schlüssel zu neuer Energie
Das Ding ist: der Körper merkt sich alles. Jede unterdrückte Müdigkeit. Jede übergangene Emotion. Jede Entscheidung gegen sich selbst. Und irgendwann meldet er sich mit den bekannten Symptomen: Schlafprobleme, Reizbarkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten. Was viele dann als persönliches Versagen deuten, ist in Wahrheit ein Warnsignal. Der Körper sagt nicht: „Du bist schwach.“ Er sagt: „Du führst dich nicht.“
Hier kommt m.M.n. die oft missverstandene Verantwortung für sich selbst ins Spiel. Sie hat nichts mit Egoismus zu tun. Sie ist kein Rückzug aus dem Leben. Sie ist die Grundlage dafür, überhaupt kraftvoll da sein zu können. Verantwortung für sich selbst bedeutet, die eigene Energie ernst zu nehmen. Die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Und vor allem: entsprechend zu handeln.
"Du solltest jeden Tag wenigstens einmal still sitzen und deinem Leben zuhören."
Zen-Weisheit
Selbstführung im Alltag: Klarheit statt Durchhalten
Das ist der Punkt, an dem echte Selbstführung beginnt.
Selbstführung ist kein Kalender voller Selbstfürsorge-Termine (das ist etwas anderes). Selbstführung ist kein weiteres Optimierungsprojekt. Sie ist eine innere Haltung. Eine klare Entscheidung, sich nicht länger zu übergehen. Sie zeigt sich im Mut, Grenzen zu setzen, bevor man erschöpft ist. Im Nein, das ruhig ausgesprochen wird. Im Ja zu sich selbst – auch wenn andere das unbequem finden.
Viele Frauen hoffen unbewusst, dass sich etwas von allein ändert. Dass der Job mit auf einmal entspannter wird. Dass andere von alleine rücksichtsvoller werden. Dass irgendwann mehr Zeit für sich übrig bleibt. Doch solange du dich selbst nicht führst, wirst du immer wieder in Situationen landen, in denen deine Grenzen überschritten werden. Eben oft von dir selbst.
Warum Erschöpfung ein Entscheidungsproblem ist
Erschöpfung ist deshalb selten ein Zeitproblem. Sie ist ein Entscheidungsproblem. Nicht im Sinne von Schuld. Sondern im Sinne von Klarheit. Solange du dich anpasst, statt zu führen, zahlst du mit Energie. Solange du schweigst, statt Grenzen zu setzen, zahlst du mit innerer Spannung. Solange du durchhältst, statt dich ernst zu nehmen, zahlst du mit Gesundheit.
Die gute Nachricht: Das lässt sich ändern. Und es braucht keinen radikalen Umbruch. Meist beginnt es mit einem ehrlichen Hinsehen.
Wo genau überschreitest du dich gerade selbst?
In welchen Situationen gehst du über deine Bedürfnisse hinweg?
Wo sagst du Ja aus Gewohnheit – nicht aus Überzeugung?
Notier dir das ruhig.
Der Weg aus der Erschöpfung beginnt mit klarer Selbstführung
Der nächste Schritt ist unbequem, aber befreiend: Verantwortung übernehmen. Für deine Zeit. Deine Kraft. Deine Entscheidungen. Nicht erklärend. Nicht rechtfertigend. Sondern ruhig und klar.
Das ist diese stille Form von Stärke, die nichts beweisen muss. Sie ist nicht laut. Aber wirksam. Sie bringt Ordnung ins Innere – und damit Ruhe ins Äußere.
Wenn du heute erschöpft bist, heißt das nicht, dass du mehr Pausen brauchst (auch wenn sie helfen). Es heißt oft, dass du anfangen darfst, dich selbst zu führen. Deine Grenzen zu achten. Verantwortung für dein Wohlbefinden zu übernehmen – konsequent und ohne schlechtes Gewissen.
Und genau darin liegt der Wendepunkt.
In meinem Newsletter für stille Rebellinnen schreibe ich meine Gedanken auch zu diesem Thema.




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