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Rauhnächte und Innenschau: Altes loslassen, Neues empfangen

  • 28. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Es gibt diese Tage zwischen den Jahren, an denen alles ein bisschen stiller wird. Selbst Menschen, die sonst ohne Pause funktionieren, merken plötzlich: Da ist Raum. Da ist Luft. Und manchmal auch ein Knoten im Bauch.

Vielleicht geht es dir ähnlich. Du willst diese Zeit eigentlich nutzen, um zur Ruhe zu kommen – innere Reflexion statt Selbstoptimierungs-Marathon. Doch dein Kopf zieht dich in die andere Richtung: „Mach noch schnell eine Liste mit Vorsätzen! Optimiere dein Morgenritual fürs neue Jahr!“


Und du stehst plötzlich dazwischen. Zwischen Sehnsucht nach Pause und Druck zur Verbesserung. Zwischen Loslassen und Kontrollhalten. Zwischen dir und dem Anspruch, alles richtig zu machen.


Was die Rauhnächte wirklich waren und was sie heute für dich sein können

Die Rauhnächte haben in ihrem Ursprung nichts mit dem schillernden Zauber zu tun, der heute gern darübergelegt wird. Tatsächlich waren sie ein sehr praktisches Produkt früherer Zeitrechnung: Mit dem Sonnenjahr (365 Tage) und dem Mondjahr (354 Tage) klaffte eine Lücke von zwölf Nächten – und diese „Zwischentage“ wurden als besondere, fast außeralltägliche Phase betrachtet.


Aus dieser zeitlichen Differenz entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eine kulturelle Tradition. In bäuerlichen Gesellschaften ruhte in dieser Phase die Arbeit; Vieh, Gerätschaften und Hof wurden überprüft, man bereitete sich auf das neue Jahr vor und erzählte Geschichten, um die dunklen Nächte gemeinsam zu überbrücken. Vieles davon war schlicht: ein Reset für Gemeinschaft, Haus und Kopf.


Genau deshalb eignen sich die Rauhnächte bis heute für etwas, das wir oft vermeiden: uns selbst zuzuhören. Wenn die äußeren Abläufe stocken, zeigt sich deutlicher, wo die inneren Abläufe ebenfalls haken. Vielleicht ist diese historische „buchhalterische Lücke“ gerade deshalb ein stiller, guter Moment, die eigenen inneren Lücken anzuschauen – ohne Sternenstaub-Mystik, nur mit Ehrlichkeit.


Drei bodenständige Rituale für deine Innere Reflexion


1. Der ehrliche Abendrückblick

Schreib dir für jeden Abend zwei Dinge auf:

– Was hat mich heute innerlich enger gemacht?

– Was hat mich weiter gemacht?

Nur diese Fragen. Keine Bewertung, kein Ziel, keine To-do-Liste.

Du wirst merken: Es entsteht nach ein paar Tagen ein leises Muster, das mehr sagt als jedes Jahresendritual.


2. Das kleine Aufräumen

Klingt banal, wirkt aber tief: Wähle jeden Tag einen winzigen Bereich (eine Schublade, ein Ordner, dein Rucksack) und bring ihn in Ordnung.

Nicht als Reinigung des „Energiefeldes“, sondern als Zeichen für deinen Kopf: „Ich darf es mir leichter (im neuen Jahr) machen.“

Altes loslassen muss nicht heroisch sein. Manchmal reicht eine alte Quittung, die weggeräumt wird.

Es ist sozusagen deine persönliche Jahresendabrechnung mit deinem Leben in diesem Jahr.


3. Der stille Außenmoment

Ein kurzer Gang im Dunkeln. Ohne Podcast. Ohne Telefon. Ohne Ziel.

Spüre: Wie reagiert dein Körper, wenn niemand etwas von dir will? Wie reagiert dein Kopf, wenn es dunkel um dich ist?

Das ist Innenschau in ihrer schlichtesten Form. Und sie baut mehr innere Stabilität auf, als du vielleicht denkst. Wenn du dich traust, dich mit deinen Ängsten auseinander zu setzen.


Warum der Neuanfang im neuen Jahr keinen Knaller braucht

Vielleicht kennst du den Druck, im Januar „neu“ sein zu müssen. Besser. Klarer. Planvoller.

Aber Neuanfang entsteht selten aus Druck. Er entsteht aus Würde. Aus der Entscheidung: „Ich gehe meinen Weg ohne mich dafür zu verformen.“


Wenn du in diesen Tagen etwas mitnehmen willst, dann vielleicht das:

Du musst nicht jeden Rauhnachtstrend mitmachen. Du musst nicht alles loslassen, was dich genervt hat. Und du musst nicht perfekt ins neue Jahr starten.

Es reicht, wenn du ehrlich schaust, was du tragen willst – und was nicht.

Das ist der leise, würdige Neuanfang im neuen Jahr.


Wenn du also dieses Jahr die Rauhnächte nutzen möchtest, dann nicht, um dich zu optimieren. Sondern um dich ein bisschen ehrlicher zu sehen. Eine nüchterne Innenschau, ohne Drama, ohne Orakel – nur du und deine Gedanken.

In meinem online Tea Talk bekommst du genau dafür Impulse – ein ruhiges, ehrliches Gespräch mit anderen Frauen, das dir Raum gibt, bevor das neue Jahr Fahrt aufnimmt.




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