Das Jahresende: Vom Funktionieren zum leisen Neuanfang
- 31. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Du kennst diesen Moment. Kurz vor Jahresende sitzt du da, schaust auf elftausend offene Aufgaben und fragst dich, wie es passieren konnte, dass du wieder im Modus des Dauerfunktionierens gelandet bist.
Die Wahrheit ist simpel: Niemand hat dir den Raum gegeben, aus diesem Modus auszusteigen. Also hast du weitergemacht. Leise, pflichtbewusst, zuverlässig – bis du dich selbst kaum noch gehört hast.
Während überall Jahresabschlüsse gefeiert werden, spürst du in dir eher eine Enttäuschung.
Weil du innerlich wusstest: Da war dieses Jahr viel zu wenig Platz für dich.
Wenn du das fühlst, bist du nicht allein. Viele introvertierte Frauen rutschen am Jahresende in eine kleine persönliche Krise zum Jahresende – nicht laut, nicht sichtbar, aber echt. Eine Krise, die nichts mit „Schwäche“ zu tun hat, sondern mit Erschöpfung, mit Erwartungen, mit zu viel Anpassung. Mit dieser inneren Stimme, die immer deutlicher sagt: Es reicht.
Ein Jahresrückblick ohne Selbstkritik ist möglich
Wir lernen früh, Bilanz zu ziehen wie Betriebsprüferinnen: Was lief gut? Was lief schlecht? Was hätte ich besser machen müssen?
Aber du bist kein Unternehmen.
Du bist ein Mensch.
Einer, der gefühlt ein ganzes Jahr lang im Hamsterrad gelaufen ist.
Wenn du tiefer verstehen möchtest, warum übermäßige Selbstkritik dein inneres Gleichgewicht so schnell ins Wanken bringen kann, findest du hier einen klaren Artikel von Lea Link dazu: „Selbstkritik – Der unsichtbare Feind unseres Selbstwertgefühls“.
Darum lege ich dir ans Herz, zum Jahresende eine andere Form des Rückblicks auszuprobieren:
Eine, die nicht zählt, sondern zuhört.
Eine, die nicht nach Fehlern sucht, sondern nach Wahrheit.
Eine, die begreift, dass Erschöpfung am Jahresende kein persönliches Versagen ist, sondern ein Signal.
Wenn du genauer hinschaust, entdeckst du vielleicht dieses Dilemma:
Du willst Ruhe. Aber du bist gewohnt, alles zu regeln.
Du willst loslassen. Aber du hältst fest, weil sonst keine Sicherheit mehr da ist.
Du willst weniger tun. Aber du bist diejenige, die zuverlässig immer funktioniert.
Kein Wunder also, dass dein Jahresende nicht nach Besinnlichkeit riecht, sondern manchmal eher nach „Ich kann nicht mehr“.
Mentale Selbstverteidigung statt Dauerfunktionieren
Es gibt einen Punkt, an dem die Wahrheit still, aber unmissverständlich auftaucht:
Du kannst nicht weiter so funktionieren, wenn du einen Neuanfang willst.
Ein Neuanfang – vor allem ein leiser – entsteht nicht durch mehr Leistung, sondern zuerst durch Rückzug. Dann durch Klarheit und durch Grenzen.
Mentale Selbstverteidigung bedeutet:
Du erkennst, was dich erschöpft.
Du erkennst, was dir nicht gehört.
Du erkennst, wo du dich selbst verlässt, um anderen gerecht zu werden.
Und dann schützt du diesen Raum. Nicht kämpferisch, sondern würdevoll. Nicht laut, sondern konsequent.
Gerade ein Neuanfang zwischen den Jahren heißt: Du musst nicht erst alles im Außen ordnen, bevor du im Innen Frieden findest. Denn dieser Spruch „wie innen so außen“ heißt genau das.
Du bist wertvoll – auch ohne alles zu regeln
Hier liegt der eigentliche Wendepunkt des Jahres: Du kannst aufhören, alles zu tragen und alles zu regeln. Meist für andere, weniger für dich.
Du bist wertvoll, weil du bist.
Nicht, weil du alles reparierst.
Nicht, weil du jede Lücke füllst.
Nicht, weil du dich opferst, damit das (Berufs- oder Familien-)System weiterläuft.
Diese Erkenntnis fühlt sich am Anfang ungewohnt an – fast so, als hätte jemand die Schwerkraft verändert. Aber sie ist wahr.
Und sie ist der Moment, in dem ein leiser Neuanfang möglich wird.
Eine Einladung für den Winter: 5 kleine Neustart-Rituale
Wenn du magst, probiere in den kommenden Wochen fünf Mini-Rituale. Keine Großprojekte, keine Perfektion und kein Druck.
Nur kleine Akte der Selbstführung:
Das 5-Minuten-Einsinken: Jeden Morgen kurz sitzen und in die Matratze oder Yogamatte sinken, bevor du funktionierst.
Der Erwartungscheck: Einmal täglich fragen: „Will ich das wirklich?“
Der Energie-Zaun: Eine kleine Grenze pro Tag setzen – ein „Nein“ ohne Erklärung, aber zur Übung.
Der Dämmerungs-Walk: 10 Minuten draußen gehen, bewusst langsam. Und den Sonnen-untergang betrachten. (Nimm dir dafür extra Zeit am Nachmittag.)
Das Loslass-Papier: Alles aufschreiben, was du nicht ins neue Jahr tragen willst. Und dann zerreissen, verbrennen oder in den Schredder geben. (Ich bin Schreddi-Fan...)
Diese „Zwischen den Jahren“-Rituale wirken leise, aber zuverlässig. Genau wie du. Dafür braucht es keine Chakrenreinigung.
Ein letzter Gedanke – und eine Einladung unter Frauen
Wenn du das Gefühl kennst, am Jahresende mehr zu funktionieren als zu leben, dann komm in meinen online Tea Talk unter Frauen Anfang Januar. Kein Vortrag, kein „So musst du es machen“, kein Teeverkauf.
Nur ein Kreis, in dem wir uns aussprechen, ohne uns zu erklären. Ein Raum, in dem du spürst, dass du nicht allein bist mit deinem leisen Neuanfang. Bring gern eine Tasse Tee mit, deinen Wintermodus und den Mut, kurz nicht stark zu sein.
Ich freue mich auf dich und wünsche dir einen ruhigen Start ins neue Jahr.




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