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Ich bin nicht faul – ich erhole mich: Über Erschöpfung & Regeneration im Winter

  • 11. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Du wachst auf. Es ist ruhig. Kein Termin, kein Alarm, kein Drama. Und trotzdem fühlst du dich leer. Nicht traurig, nicht verzweifelt. Einfach… ausgewrungen. Wie ein Teebeutel nach dem dritten Aufguss.

Du liegst da und denkst: Ich müsste doch jetzt dankbar, entspannt, produktiv sein. Stattdessen bist du schwer und müde im Kopf. Und sofort meldet sich diese innere Stimme: Reiß dich zusammen. Andere schaffen das auch. Du bist einfach faul.


Hier beginnt dein Dilemma: Du kämpfst nicht gegen äußeren Stress, sondern gegen die Bewertung deiner eigenen (schwer benötigten) Ruhe. Du willst dich erholen, aber du schämst dich dafür. Du brauchst Rückzug, aber dein Umfeld feiert Durchhalten. Und irgendwo dazwischen sitzt du und fragst dich, warum du dich trotz freier Zeit nicht besser fühlst.


Warum Faul sein so einen schlechten Ruf hat

Wir haben gelernt, dass Stillstand gleichbedeutend ist mit Schwäche. Wer ruht, verliert. Wer langsamer wird, fällt zurück. Und wer nicht sichtbar produktiv ist, hat offenbar ein Charakterproblem.

Dabei ist das meiner Meinung nach eine kulturelle Fehlannahme. Wir verwechseln Erschöpfung mit Faulheit. Und Regeneration mit Aufgeben. Dabei sind das Gegensätze.


Erschöpfung ist ein Zustand. Regeneration ist eine Fähigkeit.


Du kannst erschöpft sein und trotzdem ständig etwas tun. Scrollen, putzen, organisieren, planen, dich kümmern. Alles wirkt aktiv und doch kommt nichts in dir an.

Das ist keine Erholung. Das ist Betäubung!

Echte Entspannung und Rückzug fühlen sich oft unangenehm an. Leer. Zweckfrei. Still. Und genau deshalb haben sie so einen schlechten Ruf. Denn in dieser Stille hörst du plötzlich dich selbst. Deine Grenzen. Deine Müdigkeit. Deine Wahrheit.


Rückzug ist kein Aufgeben, sondern Selbstschutz

Bewusster Rückzug ist keine Flucht. Er ist eine Form von mentaler Selbstverteidigung.

Du setzt damit eine Grenze – nicht laut, nicht kämpferisch, sondern still. Eine Grenze gegen Erwartungen. Gegen ständige Erreichbarkeit. Gegen die Vorstellung, du müsstest immer verfügbar, freundlich, funktionierend sein.

Im Winter wird das besonders sichtbar. Alles in der Natur zieht sich zurück. Bäume sparen Energie. Tiere ruhen. Und wir? Wir sollen bitte genauso leistungsfähig bleiben wie im Hochsommer.

Ich halte das für absurd.


Dein Nervensystem braucht in dieser Zeit weniger Input, nicht mehr. Weniger Erklärungen. Weniger To-dos. Weniger Rechtfertigungen. Bewusster Rückzug in der Winterzeit heißt: Ich nehme mich ernst, bevor ich zusammenklappe.


Das ist keine Schwäche. Das ist Respekt vor sich selbst.


Eine kleine Winter-Ruhepraxis für echte Regeneration

Falls du noch zu aktiv bist, möchte ich dir 3 Ideen für deine „Winterruhe“ im Alltag mitgeben. Sie sollen dich aus der hektischen, produzierenden Tagesroutine herausholen. Nichts Kompliziertes. Keine Morgenroutine mit 17 Schritten. Nur drei leise Dinge.


1. Atemübung – Der verlängerte Ausatmer

Setz dich bequem hin. Atme 4 Sekunden ein. Und 6 Sekunden aus. Mach das 3 Minuten. Dein Körper versteht: Es gibt keine Gefahr. Du darfst loslassen und bist in Sicherheit.

2. Körperübung – Die Schwere erlauben

Leg dich auf den Rücken. Beine ausgestreckt. Arme locker neben dir. Stell dir vor, dein Körper wird schwerer. Er sinkt. 5 Minuten reichen.

3. Mentale Übung – Der ehrliche Satz

Frag dich: Was würde ich heute tun, wenn ich mich nicht rechtfertigen müsste?

Schreib einen einzigen Satz auf. Und nimm ihn ernst.

Das ist keine Selbstoptimierung. Das ist Selbstachtung.


Deine stille Rebellion

Vielleicht bist du nicht faul. Vielleicht bist du als Introvertierte einfach erschöpft in einer Welt, die Erholung misstrauisch beäugt.

Vielleicht ist dein Rückzug keine Schwäche, sondern eine leise Rebellion?! Gegen das Dauerfunktionieren. Gegen den Erklärzwang. Gegen den Mythos, dass dein Wert von deiner Leistung abhängt.

Und vielleicht beginnt deine Kraft genau hier: In der Entscheidung, dich nicht mehr zu verteidigen, sondern zu schützen.

Wenn du lernen willst, wie du solche Grenzen nicht nur fühlst, sondern im Alltag klar umsetzt, ohne Drama und ohne Rechtfertigungen, dann ist mein 1:1-Angebot genau dafür da.



Schreib mir gern in die Kommentare, ob Du schon still ruhst oder dich immer noch ständig erklärst.

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