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Die Angst vor dem Alleinsein an Weihnachten in innere Ruhe verwandeln

  • 25. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Es beginnt schon mit der Entscheidung selbst: Ich bleibe dieses Jahr an Weihnachten alleine.

Nicht, weil niemand dich eingeladen hätte. Nicht, weil du „übrig geblieben“ wärst. Sondern weil du dir Ruhe wünschst. Weil du dir nicht wieder eine Rolle anziehen willst, die enger sitzt als jede Festtagsbluse. Und weil du wissen willst, wie sich ein Feiertag anfühlt, wenn du ihn nicht gegen Erwartungen verteidigst, sondern für dich gestaltest.


Dann kommt dieser Moment am 25. Dezember, wenn die Stadt einmal tief durchatmet und alles still wird. Kein Verkehr. Keine E-Mails. Nicht mal die Nachbarin, die sonst immer irgendwas durchs Treppenhaus scheppern lässt. Du sitzt da – bewusst, gewollt, entschieden – mit dir selbst auf dem Sofa.


Und genau dann wird es plötzlich eng im Bauch. Die Angst vor dem Alleinsein kriecht hoch, nicht laut, aber bestimmt. Nicht, weil du die Stille nicht magst. Du bist introvertiert, du kannst Stille und Alleinsein aushalten.

Sondern weil diese Stille heute eine andere Farbe hat. So, als würde sie an deine Tür klopfen und leise fragen: „Und? Bist du wirklich okay damit – so ohne jemanden?“


Hier liegt dein echtes Dilemma:

Du willst Nähe, ja. Aber nicht um jeden Preis.

Du willst Freiheit, aber nicht dieses plötzlich auftauchende Brennen im Brustkorb, das sich anfühlt wie Einsamkeit.

Also beginnst du innerlich wegzulaufen – in Aufgaben, in Ablenkung, in „Ich denke morgen drüber nach“. Doch heute, genau an diesem stillen Feiertag, holt dich die Entscheidung wieder ein.

Und das ist kein Fehler. Es ist ein Startpunkt.


Warum die Angst nicht das Problem ist

Sachlich betrachtet ist es nur ein Tag im Kalender. Aber emotional? Kann es hart sein, wenn dich tiefe Gefühle einholen.

Dann lebt das alte Drehbuch auf:

„Wer allein an Weihnachten ist, hat etwas falsch gemacht.“

Oder die große Schwester davon:

„Vielleicht bin ich doch nicht liebenswert genug.“

Die klassische Angst vor Ablehnung, hübsch verpackt in Tannengrün.


Doch hier kommt mein rebellischer Perspektivwechsel, der dich stärken statt klein machen kann:

Die Angst zeigt dir nicht, dass du defekt bist.

Sie zeigt dir, wo ein alter, nicht hinterfragter Maßstab noch Macht über dich hat – der Maßstab der Anpassung, der Erwartung, des „So macht man das an Weihnachten“.


Die Coachingweisen würden dir jetzt wahrscheinlich sagen, du sollst dich in dieser Situation einfach selbst umarmen.

Du weißt und ich weiß: So leicht ist es nicht.

Du brauchst keine aufgesetzte Selbstliebe.

Du brauchst hier klare, mitfühlende, innere Führung von dir selbst. Und Mut.


Wie du dir die innere Ruhe zurückeroberst – Schritt für Schritt

„Die Ruhe besteht darin, dass die Seele geordnet ist.“

— Marcus Aurelius, Selbstbetrachtungen, Buch 4


Ich möchte dir ein paar Punkte an die Hand geben, damit du wieder ins Gleichgewicht kommst. Praktisch, klar und machbar:


1. Benenne die Angst (ehrlich, nicht dramatisch)

Sag dir leise: „Ich spüre die Angst vor dem Alleinsein. Und ich bleibe trotzdem hier.“

Das ist innere Autorität. Kein Kampf, nur Aushalten. Und atmen.


2. Finde einen Punkt im Raum, der dir Ruhe gibt

Ein Fenster. Eine Kerze. Ein Bild.

Lass deinen Atem dorthin fließen. Es wirkt, weil dein Nervensystem Orientierung liebt.


3. Erinnere dich an die Entscheidung des Jahres, die Mut gebraucht hat

Nicht Applaus, sondern Mut (für den ich dich wirklich bewundere).

Das holt dich raus aus dem Vergleich und rein in deine eigene Geschichte. Schreib dir das auch gern noch einmal auf.


4. Dämmere bewusst ab

Weihnachten muss nicht hell und festlich sein.

Es darf weich sein, langsam, unscharf und mit Tagträumen.

Du bestimmst die Tonart.


Warum das Ganze wirkt?

Weil du nicht versuchst, ein Gefühl wegzuoptimieren.

Du führst und fühlst dich hindurch. Du hältst aus.

Das ist das Gegenteil von Flucht.

Das ist Selbstführung.

Das ist stille Rebellion, liebe Rebellin.


Ich wünsche dir ein ruhiges und mutiges Weihnachten, nach deinen eigenen Regeln.


Eine kleine Einladung zum Jahresabschluss

Und falls du mit meinen Gedanken zum Alleinsein an Weihnachten gar nicht einverstanden bist und völlig andere Erfahrungen gemacht hast (von wegen „innere Ruhe“), lass mich das gern wissen. In ein paar Tagen beim Jahresabschluss-Event „Jahresabschluss in der winterblauen Stunde“. Anmelden kannst du dich hier:

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