Was Coaches zum Grenzen-setzen raten und ich als Mentorin nicht
Aktualisiert: 2. Aug.

Es ist spät. Ihr seid müde. Und eigentlich ging es nur um eine Kleinigkeit. Dann fällt dieser Satz. Du merkst sofort: jetzt kippt es. Du spürst den Impuls, endlich mal Nein zu sagen. Nicht schon wieder nachgeben. Nicht schon wieder schlucken.
Also sagst du etwas. Klarer als sonst. Und sofort kommt die Gegenreaktion.
Rechtfertigungen. Vorwürfe. Im nettesten Fall ein Augenrollen. Und du? Du stehst da zwischen deiner Klarheit und den Zweifeln.
Denn kaum ist der Streit vorbei, kommt es: das schlechte Gewissen, das du nach einem Streit loswerden direkt loswerden möchtest. Hast du überreagiert? War das zu hart? Hättest du es „besser“ sagen können? Neutraler? Genau hier beginnt das eigentliche Problem.
Warum klassische Coaching-Tipps oft ins Leere laufen
Viele klassische Coaching-Ansätze sagen:
„Formuliere deine Bedürfnisse klar.“
„Bleib bei dir.“
„Kommuniziere gewaltfrei.“
„Achte auf deine Ich-Botschaften.“
Das klingt sinnvoll. Ist es auch theoretisch. Aber im echten Moment? Wenn dein Nervensystem längst im Alarm ist? Dann greifen diese Tools oft nicht.
Warum?
Weil sie davon ausgehen, dass du im Streit noch Zugriff auf Ruhe hast. Und genau das stimmt nicht. Also ich habe da keine Ruhe mehr… Was dir dazwischenfunkt, ist das Alarmsystem und ein altes Muster. Du willst dich abgrenzen und gleichzeitig die Verbindung nicht verlieren.
Also beginnst du, dich zu erklären. Zu relativieren. Zurückzurudern. Weil dein System gelernt hat, dass Konflikt = Risiko bedeutet. Das Problem an vielen Coaching-Ansätzen ist, dass sie auf der Ebene von Technik arbeiten. Aber dein Thema liegt auf der Ebene von Entscheidung, Haltung und innerer Autorität.
Der Unterschied zwischen Coaching und Mentoring
Jetzt wird es unbequem.
Coaching fragt oft: „Wie kannst du es besser formulieren?“
Mentoring fragt: „Stehst du überhaupt hinter dem, was du sagst?“
Das ist ein Unterschied.
Ein Coach hilft dir, Optionen zu sehen bzw. selber herauszufinden, welche du hast.
Eine Mentorin konfrontiert dich mit der Frage, ob du bereit bist, die Konsequenz deiner Grenze zu tragen. Denn eine Grenze ist kein Kommunikationsstil. Sie ist eine Entscheidung.
Und Entscheidungen haben Folgen:
Der andere ist genervt. Oder verärgert.
Der Streit wird nicht sofort gelöst.
Du wirst nicht sofort verstanden.
Viele Coaching-Ansätze versuchen, diese Reibung zu vermeiden. Ich nicht.
Weil genau hier deine Handlungsmacht entsteht. Klare Haltung bedeutet: Du sagst etwas und lässt es stehen. Ohne nachträgliches Erklären. Ohne emotionales Hinterherräumen. Das ist keine Härte, es ist innere Stabilität. Und ja: am Anfang fühlt sich das echt falsch an, weil du es anders gewohnt bist.
Mentale Selbstverteidigung statt Konfliktvermeidung
Wenn du dich nach einem Streit regelmäßig fragst, ob du „zu viel“ warst, dann ist das kein Kommunikationsproblem. Es ist ein Muster einer inneren Überzeugung. Und das lässt sich nicht durch schönere Sätze lösen, sondern durch die Fähigkeit der „mentalen Selbstverteidigung“.
Ich habe dazu auch diese Artikel geschrieben:
Grenzen setzen ohne schlechtes Gewissen
Grenzen setzen bedeutet nicht, dass der andere es gut findet. Es bedeutet, dass du aufhörst, dich selbst zu verlassen. Das schlechte Gewissen nach einem Streit loswerden zu wollen ist kein Zeichen, dass du etwas falsch gemacht hast. Oft ist es nur der Nachhall eines veralteten Systems, das Harmonie über Klarheit stellt. Also, du darfst dich abgrenzen, ohne dich danach zu rechtfertigen. Einfach und ehrlich.
Und wenn du merkst, dass du genau an dieser Stelle immer wieder einknickst, kannst du dich gern für ein 1:1-Gespräch mit mir melden. Im Erstgespräch legen wir das Thema genau fest und besprechen im Mentoring, wie du stehen bleibst.



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